Bahnhof
Bau der Eisenbahnstrecke Triptis - Lobenstein - Marxgrün
Ende der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts, hielt die Eisenbahn Einzug in unser Gebiet. Vor dieser Zeit waren auf meist schlechten Straßen oder Wegen Fuhrwerke das einzige Transportmittel. In den angrenzenden größeren Staaten, Sachsen und Bayern, existierten bereits seit 1848 Eisenbahnen, welche einen großen wirtschaftlichen Aufschwung für die Länder mit sich brachten. So entschloss sich auch Preußen, in das „Eisenbahngeschäft“ einzutreten, um sich so Vorteile zu sichern.
Am 10. November 1887 schloss Preußen zunächst einen Staatsvertrag mit den beteiligten Staaten ab. Dieser beinhaltete den Bau der Bahnstrecke von Triptis nach Lobenstein und weiter nach Marxgrün, um dort den Anschluss an das bayrische Eisenbahnnetz zu gewährleisten.
Die Genehmigung zum Bau und Betrieb dieser Strecke wurde durch ein preußisches Gesetz vom 11.Mai 1888 erteilt und noch im gleichen Jahre wurde mit den Vermessungsarbeiten begonnen. Diese gestalteten sich schwierig und zeitaufwendig, besonders im Teilstück zwischen Ziegenrück und Lückenmühle, in dem die Trasse an hohen, steilen Felswänden entlang und über tiefe Schluchten geführt werden musste. Nach Beendigung der Vorarbeiten konnte man 1890 mit dem Streckenbau beginnen.
Gleisbauarbeiten
Der Bau der Strecke wurde in vier Phasen aufgeteilt:
I. Triptis - Ziegenrück Fertigstellung 1894
II. Ziegenrück - Lobenstein Fertigstellung 1895
III. Lobenstein - Blankenstein Fertigstellung 1897
IV. Blankenstein - Marxgrün Fertigstellung 1901
Die größeren Bauwerke dieser Strecke waren:
- der 105 m lange Ziegenrücker Tunnel
- die 18 m hohe Dreibogenbrücke über das Plothenbachtal
- die 154 m lange und 18 m hohe Talbrücke mit sieben Bögen über die Saale
- der 181 m lange Hemmkoppen-Tunnel und
- die in Stahlkonstruktion errichtete 115 m lange und 32 m hohe Ziemestalbrücke.
Der Bahnhaltepunkt
Am 17.12.1894 wurde die erste Teilstrecke Triptis – Ziegenrück mit einem Sonderzug feierlich eröffnet. Dreba besaß zu dieser Zeit noch keinen Bahnhaltepunkt. Der damalige Gemeinderat unter Bürgermeister Ernst Ulitzsch hatte den geplanten Bau eines Bahnhofes mit Entladegleis in Dreba abgelehnt. Man sah in den darauffolgenden Jahren, welche Vorteile ein Bahnanschluss anderen Orte brachte und so entschloss sich der Gemeinderat mit der Preußischen Staatsbahn über den Bau eines Bahnsteiges in Dreba zu verhandeln.
Man wurde sich schnell einig und die Gemeinde musste 4000,-- Mark an die Bahn zahlen, damit ein Haltepunkt errichtet wurde. Für weitere 3000,-- Mark wurde 1896 der Bahnsteig gebaut. Endlich war auch Dreba, mit seinem Bahnhaltepunkt, an das Eisenbahnnetz angeschlossen.
Die Personenzüge, welche von 1896 – 1945 in Dreba hielten, bestanden aus Waggons 2.Klasse, 3.Klasse und der Klasse „Reisende mit Traglasten“.
In den Wagen „Reisende mit Traglasten“ waren lediglich rechts und links in Fahrtrichtung lange Holzsitzbank angebracht. In der Mitte der Waggons konnten die Reisenden das größere Reisegepäck, wie Tragkörbe oder sperrige Pakete, ablegen. Die Drebaer Einwohner nutzten diese Möglichkeit, um zu den wöchentlichen Markttagen nach Ziegenrück, Auma, Triptis oder Gera zu gelangen. Dort verkauften sie ihre ländlichen Produkte wie Butter, Eier und geschlachtetes Geflügel. Der Anschluss ans Bahnnetz stellte für Dreba eine wesentliche Verbesserung dar, da der Ort dadurch attraktiver für Auswärtige wurde. So zog unter anderen der Markthändler Georg Auer mit seiner Familie im Oktober 1930 von Crispendorf nach Dreba, da hier ein Bahnhaltepunkt vorhanden war und er somit seinen Geschäften besser nachgehen konnte.
Durch die Bahnverbindung hatten viele Drebaer die Möglichkeit in umliegenden Städten wie Auma, Triptis oder Ziegenrück Arbeit zu finden. Auch aus den umliegenden Gemeinden Kleina oder Plothen kamen die Menschen, um mit dem Zug von Dreba aus zur Arbeit zu fahren
Das Bahnhofsgebäude
Der rege Personenverkehr machte es erforderlich, ein Bahnhofsgebäude zu bauen um die wartenden Fahrgäste vor Wind und Wetter zu schützen. 1897 kaufte die Gemeinde ein Grundstück nahe des Bahnhaltepunktes vom Bauern Edwin Ludwig. Auf diesem errichtete man ein Bahnhofsgebäude mit Gastwirtschaft und vier Pferdeställen. Noch im gleichen Jahr wurde das Gebäude fertiggestellt und zur Nutzung verpachtet.
Die Pächter der Wirtschaft hatten die Aufgaben, Fahrkarten zu verkaufen, die Gastwirtschaft zu betreiben und die Bahnpost in Empfang zu nehmen und zu verteilen. Ein öffentlicher Fernsprecher wurde ebenfalls im Gebäude installiert.
Um den Pächter wirtschaftlich zu unterstützen, fasste der Gemeinderat den Beschluss, alle Gemeindeversammlungen in der Bahnhofswirtschaft abzuhalten. Auch die Jäger des Dorfes trafen sich vor jeder Jagd am Bahnhof und beendeten diese auch in der Gaststätte.
1972 wurde die Bahnhofswirtschaft geschlossen, da schon seit längeren keine Karten mehr verkauft wurden und auch Besucherzahlen der Gaststätte zu wünschen übrigließen. Bis 1975 wurde die Gaststätte an Wochenenden noch vom Kaninchenzuchtverein betrieben.
Danach erfolgte der Umbau des Gebäudes in zwei Wohnungen.
Entwicklung der Bahnstrecke
Der Bahnhaltepunkt Dreba hatte ausschließlich für den Personenverkehr Bedeutung. In den 30er und 40er Jahren wurde daneben noch Milch mit dem Zug nach Ziegenrück in die Molkerei transportiert und im Gegenzug die Molke nach Dreba verbracht. Auch der Bäcker Schott aus Moßbach lieferte seine Backwaren per Zug nach Dreba, welche im Kolonialwarenladen Auer verkauft wurden.
Von 1945 – 1990 fuhren täglich bis zu 50 Personen von Dreba aus zur Arbeit. Nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung kam es zu einem starken Rückgang im Personenverkehr.
Eine historische Dampflok fuhr zum 100jährigen Bestehen
Am 05.06.1994 feierte man das 100jährige Jubiläum der Bahnstrecke Triptis - Ziegenrück. Zu diesem Anlass wurde das Bahngelände zum Festplatz mit Kinderkarussell, Hüpfburg, Kegelbahn und Bierzelt. Der Dampfzug 381182 fuhr in Dreba ein und wurde mit einer Kapelle begrüßt. Anschließend hielt Bürgermeister Roland Ranke eine kurze Begrüßungsrede und der Frauenchor Dreba ließ einige Volkslieder erklingen. Der Zug setzte seine Fahrt in Richtung Ziegenrück fort. Die Drebaer und ihre zahlreichen Gäste ließen das Fest im Bierzelt in geselliger Runde ausklingen.
Diese 100-jährige Jubiläumsfeier war das letzte größere Ereignis an der Traditionsstrecke. Am 23. Mai 1998 fuhr der letzte Personenzug zwischen Triptis und Lobenstein. Im Jahr 2008 gründete sich der Verein „Thüringer Oberlandbahn e. V.“ zur Förderung und Bewahrung der Thüringer Oberlandbahn (Eisenbahnstrecke Triptis –Ziegenrück – Blankenstein).


